style="display:block"
data-ad-client="ca-pub-2207504467467474"
data-ad-slot="3556382906"
data-ad-format="auto">

Saudi-Arabien - Sehenswürdikeiten, Reisezeit, Tipps

Saudi-Arabien ist kein touristisches Reiseland. Erst seit kurzem können sich Studienreisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Luxushotels Saudi-Arabiens über die Kleinkariertheit saudischer Tugendwächter echauffieren. Touristenvisa werden unter strengen Auflagen und nur in sehr geringer Anzahl vergeben. Das Land überrascht seine Besucher mit hypermodernen Städten und immergrünen Oasen, mittelalterlich anmutenden Dörfern und dazu passenden Vorschriften. Hier herrschen unnachgiebig, politisch einflußreich und mit alten, verbrieften Rechten ausgestattet die Hüter des wahhabitischen Islams - einer radikalen Spielart des sunnitischen Islams, dessen liberale Ausformung in Dubai oder Abu Dhabi zu beobachten ist.

Strenge Herrscher

In Saudi-Arabien jedoch interpretieren die Religionsführer den Koran mit alttestamentarischer Strenge, die zum Beispiel das Köpfen von Mördern in aller Öffentlichkeit vorsieht. Religionswächter sind es auch, die die Vermummung der Frauen, das Schließen der Geschäfte beim Gebetsruf des Muezzins sowie die Kleidung und das Verhalten der wenigen Touristen bestimmen, die plötzlich in saudiarabischen Städten und Oasen auf der Suche nach touristischem Neuland auftauchen.

Diese für das Land überraschende Entwicklung kann nicht ohne Billigung der religiösen Führer eingeleitet worden sein, denn die Grundsätze der ultrakonservativen Wahhabiten spielen eine zentrale Rolle in den saudiarabischen Institutionen. Die führenden religiösen Köpfe des Landes müssen also zustimmend genickt haben, als im Jahr 1995 die ersten Touristen aus Japan in den Straßen der Hauptstadt Riad oder in Jeddah zu sehen waren. Zwanzig fernöstliche Gruppen je 30 Teilnehmer zählten die Statistiker im Geburtsjahr des saudiarabischen Tourismus.

Innenstadt von Riad
Die Innenstadt von Riad

Erst Ende 1998 erhielten die deutschen Reiseveranstalter Studiosus Reisen und Ikarus die Erlaubnis, Reisende aus deutschsprachigen Ländern nach Saudi-Arabien zu schicken. Der alles entscheidende Sponsor (so nennt man den notwendigen Partner im Land, der die Einladung ausspricht) ist bei beiden Veranstaltern die staatliche Fluggesellschaft Saudi Arabian Airlines (Saudia). Unterstützung findet die Gesellschaft bei den königlichen Gouverneuren der westlichen Provinzen, wo in den kühlen Gebirgsregionen die traditionellen Sommerorte der saudiarabischen Elite liegen.

Erwachende Prinzen

Jährlich besuchen rund sieben Millionen Ausländer Saudi-Arabien, unter ihnen viele islamische Pilger gen Mekka und Medina. Ein extremes Ungleichgewicht herrscht allerdings im Verhältnis Binnen- zu Auslandstourismus: Während die zwölf Millionen Saudis für Reisen im eigenen Land gerade einmal 400 Millionen US-Dollar ausgeben, bringen sie für ihren Urlaub im Ausland acht Milliarden Dollar auf. Die Gründe, sich dem internationalen Tourismus zu öffnen, sind deshalb rein wirtschaftlicher Natur. Zum einen will die Regierung die Wirtschaft diversifizieren, denn die Erdölreserven sind beschränkt. Zudem löste der Ölpreisverfall hektische Reaktionen in Saudi-Arabien aus. Der Regierung wurde klar, wie abhängig sie immer noch vom Verkauf des Erdöls ist. Zum anderen muß man neue, anspruchsvolle Arbeitsplätze für junge Saudis schaffen, die zu Zehntausenden von den Unis kommen und keine angemessenen Jobs finden.

Pilgerströme in Mekka
Mekka heißt bei den Muslimen auch Umm al-Qura: Mutter aller Orte

Ein wirtschaftliches Vorbild im Hinblick auf die Wirtschaftskraft des Tourismus könnten für Riad die benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate sein, deren Tourismusindustrie beachtliche Wertschöpfungen erzielt. In Saudi-Arabien jedoch machen die streng interpretierten islamischen Vorschriften eine erfolgreiche Tourismuspolitik nahezu unmöglich.

Experiment Tourismus

Trotz aller wirtschaftlichen Notwendigkeit bleibt der Tourismus vorerst ein Experiment, das jederzeit wieder abgebrochen werden kann, schon deswegen, weil von einer ernsthaften ökonomischen Krise in Saudi-Arabien momentan keine Rede sein kann. Dank des Erdölaufkommens hat das über zwei Millionen Quadratkilometer große Land zwischen zwei Meeren in nur zwei Generationen den Sprung von einer nomadisch geprägten Gesellschaft in die von Computern gesteuerte industrielle Neuzeit geschafft.

Freizeitpark in Riad
Schwimmbad in einem Familien-Freizeitpark in Riad

Geradezu beispielhaft für diese Entwicklung ist die Stadt Jeddah am Roten Meer: Noch 1947 umgab eine Mauer aus Korallenfelsen die nur einen Quadratkilometer große Altstadt, in der damals rund 30.000 Menschen wohnten. Heute zählt die wohl weltoffenste Stadt Saudi-Arabiens über zwei Millionen Einwohner und dehnt sich über 1000 Quadratkilometer aus. Etwa 90 Kilometer Länge mißt die wirtschaftlich bedeutsame Hafenstadt in der Region Corniche, an der sich schneeweiße Moscheen, Königspaläste, Luxusvillen und Vergnügungsparks reihen. Riesige Einkaufszentren schießen aus dem Boden; der Verkehr fließt zäh wie in europäischen Großstädten, und in den Luxushotels verkehren Geschäftsleute aus der ganzen Welt. Saudi-Arabien möchte, daß die Ausländer, wenn sie wieder zu Hause sind, von einem modernen Industriestaat erzählen, in dem die Häuser und Festungen aus Lehm nur noch Erinnerungen sind. Heimische Reisebegleiter schütteln den Kopf, wenn die Fremden Lehmhäuser unter Dattelpalmen als die schönsten Fotomotive betrachten.

Jeddah
Das moderne Gesicht von Jeddah

Lehm ist Geschichte

Im Ölrausch der fünfziger Jahre, als der Petro-Dollar lawinenartig zu rollen begann, wurden die Zeugnisse der ärmlichen Vergangenheit von Stadtplanern rigoros beseitigt. Auf den Ruinen alter Siedlungen wurden glänzende und marmorverkleidete Millionenstädte wie Riad oder Jeddah hochgezogen. Aus dem Wüstensand schössen neue, zum Teil konturlose Städte hervor, wie etwa Dhahran, Damman und Khobar, das Erdölzentrum am Persischen Golf. Am Roten Meer und am Golf schließlich entstanden modernste Industriegebiete wie Yanbu und Jubail, in denen einheimische und ausländische Investoren mit neuen Produkten längst die Zeit nach dem Öl planen. In ungefähr 40 Jahren, schätzen Experten, werden die Quellen des schwarzen Goldes zu versiegen beginnen. Dann werden in den futuristisch gestalteten Flughäfen wohl keine Poster mehr prangen, auf denen ganze Geschwader von Mähdreschern Weizenfelder mitten in der Wüste bearbeiten. Doch die Wüste lebt nur, weil Abermilliarden Liter Wasser, produziert in Meerwasserentsalzungsanlagen, in die Äcker aus Sand geleitet werden. Solch prestigeträchtige Bilder des technischen Fortschritts liebt das offizielle Saudi-Arabien und übertüncht damit die gesellschaftspolitische Rückständigkeit in der absoluten Monarchie. Nichts in Saudi-Arabien ist mehr, wie es einmal war. Mit Wehmut stimmen westliche Träumer oder Forschungsreisende wie der Brite Wilfred Thesiger in seinem Buch "Die Brunnen der Wüste" den Abgesang auf das alte Arabien, seine Bewohner und den Mythos Wüste an. Am Rande der historischen Oase Najran im äußersten Südwesten des Landes kann man sehen, was aus den Beduinen geworden ist: In einer Siedlung aus Wellblechhütten fristen die einst von Reisenden zu Rittern der Wüste stilisierten Nomaden ein kärgliches Dasein. Es sind Hunderte, die hier zusammengepfercht leben. Sie warten, sagt der heimische Busfahrer, auf ein paar Quadratmeter Land und ein Haus, das ihnen die Regierung versprochen hat. Das alte Arabien - das gibt es nicht mehr. Davon jedoch träumen die Studienreisenden. In erster Linie bekommen sie allerdings merkwürdige Metropolen zu sehen, achtspurige Autobahnen, Luxushotels.

Die Touristen besuchen kurz Kamelmärkte, durchmessen Oasen im Laufschritt, lassen geduldig die permanenten Kontrollen an den Überlandstraßen über sich ergehen und sehen die Landschaft in der Regel nur als Breitwandfilm am Busfenster vorbeifliegen. Manchmal stehen schwarze Zelte irgendwo in der Steppe; Kamele und Ziegen weiden unweit davon.

Die wahren Abenteuer beginnen hinter dem Horizont, wo die stillen Wüsten liegen, etwa die geheimnisvolle Rub'Al Khali, das „leere Viertel".

Rub'Al Khali in Saudi-Arabien
Rub'Al Khali

Nicht nur Sonnenglut

Lawrence von Arabien, der mit seinen Beduinenkriegern im Ersten Weltkrieg gegen die Kolonialtruppen des türkischen Reichs kämpfte und siegte, hat in seinem Buch „Die sieben Säulen der Weisheit" die Faszination der Wüste beschrieben: „Das Leben der Beduinen war hart selbst für diejenigen, die in der Wüste aufgewachsen waren, und für Fremde war es entsetzlich - es war Tod mitten im Leben." Aber, so heißt es weiter, wer einmal die Wüste erlebt habe, „wird immer das Heimweh nach diesem Leben spüren, leise oder brennend, je nach seiner Veranlagung. Denn dieses grausame Land kann einen Zauber ausüben, dem ein gemäßigtes Klima nichts Vergleichbares entgegenzusetzen hat."

Im Südwesten und Westen Saudi-Arabiens ist das Land nicht grausam. Dort können heftige Regenschauer aus einem eintönig grauen Nebelhimmel stürzen. Das ist ungewöhnlich für die Touristen, die stillschweigend Saudi-Arabien mit einer von der Sonne verglühten Sandwüste gleichsetzen.

Bei schlechtem Wetter ist etwa im Städtchen Abha, auf einer Höhe von 2500 Metern gelegen, von der in den Reiseprospekten besungenen grandiosen Berglandschaft des fast 3000 Meter hohen Asir-Gebirges, dessen westliche Flanken zur fiebrig-heißen Tihamat-Ebene am Roten Meer abfallen, nichts zu sehen.

Der König hat gesagt

Nach rund 300 Kilometern erreicht man im Bus das Bergstädtchen Al Bahan, das wie Abha und das bei Mekka gelegene Taif eine Sommerfrische der Saudis ist. Hier ist die Luft kühl, der Wind weht kalt, und während der Nacht sinken die Temperaturen unter zehn Grad. Den Touristen werden in den Katalogen immergrüne Nadel- und duftende Wacholderwälder sowie gepflegte Terrassenfelder versprochen. Das alles gibt es gewiß. Aber es sind die von stacheligen Kameldornbüschen bewachsenen Geröllwüsten und -steppen, die die Hochebenen des Asir-Gebirges prägen. Einsame Dörfer und Städtchen mit schattigen Palmenoasen liegen an den Paßstraßen. Die alten Gebäude aus gestampftem und mit Strohhäcksel vermischtem Lehm verfallen. Es sind Ruinendörfer, die sich perfekt der sandgelben Berglandschaft anpassen. Aber es war kein gutes Leben hinter den Lehmmauern. Bei einem Besuch soll der König den Dorfbewohnern gesagt haben: „Laßt die Lehmhäuser ruhig verfallen. Die Regierung wird euch moderne Häuser mit fließendem Wasser und Strom geben." Das war vor 20 Jahren.

Die Weisen von Jeddah

Nun dienen die alten Gebäude, von ihren Bewohnern einst als wehrhafte Wohnburgen genutzt, den Einheimischen als Mülldeponien und den Ratten als neue Heimat. In zwei Städten jedoch wird die Vergangenheit sorgsam und aufwendig gehegt und restauriert: in der Hafenstadt Jeddah und in der großen Oase Dariiyah am nordwestlichen Stadtrand von Riad. Dariiyah ist die ursprüngliche Heimat der Herrscherfamilie AI Saud, deren Ahnen ab 1745 von der „Oase der 1000 Dattelpalmen" aus das erste saudisch-wahhabitische Königreich regierten, das jedoch von den türkischen Besatzungsheeren 1818 zerschlagen wurde.

Jetzt umgibt eine neu aufgebaute und von Rundtürmen unterbrochene Stadtmauer das alte Lehmhäuserensemble, über dem sich die hohen Mauern der renovierten Paläste erheben. Auch das zeugt von einem neuen Geschichtsverständnis der Regierung und ihrer königlichen Repräsentanten - ohne Vergangenheit wird es keine saudiarabische Identität geben, ohne Identität keine Zukunft. In Jeddah hätten kluge Männer schon vor 30 Jahren erkannt, daß die rund 800 historischen Häuser mit ihren geschnitzten Fensterbalkonen ein zu schützendes Erbe der Altstadt seien. Jetzt werden - auch aus der Privatschatulle des Königs finanziert - jedes Jahr etwa zehn der bis zu sechs Stockwerke hohen Häuser aus Korallengestein renoviert.

Medina
Das Grab von Mohammed in Medina

Leben und Historie

Jeddah hat das geschlossenste und größte historische Stadtviertel Saudi-Arabiens. Die Altstadt ist ein Museum, aber auch ein Ort, der vor Leben sprüht. In den Gassen liegen Hunderte von Geschäften und handtuchschmalen Lädchen, in denen Ramsch aus dem Westen, aber auch Seide aus China und Indien, Gewürze von den Molukken sowie Weihrauch und Myrrhe aus dem Jemen angeboten werden. Das sind die Bilder, von denen die Touristen träumen.

Der Weg des Siegers

Die Geschichte des heutigen Königreichs wurzelt hinter den 16 Meter hohen denkmalgeschützten Mauern des Forts Al-Masmak im ältesten Viertel von Riad. Es wurde 1902 vom späteren König und Staatsgründer Abdul Azis aus dem Stamme der Saud in einem kühnen Handstreich von einem feindlichen Stamm erobert. Von Al-Masmak aus ließ sich ganz Zentralarabien kontrollieren; und von hier aus startete Abdul Azis seine Eroberungsfeldzüge. 1932 wurde Saudi-Arabien zum Königreich ausgerufen.

Im neuen Nationalmuseum in Riad, für das die besten Exponate sämtlicher Museen Saudi-Arabiens zusammengesammelt wurden, können Besucher die Entwicklung des jungen Königreichs studieren - und auch die des Islam - und die Zeiten davor erahnen, die im Halbdunkel der Geschichte liegen.

Einreise

Als Tourist kann man Saudi-Arabien nur in einer Gruppe besuchen. Der Reiseveranstalter muß sich auch um die Visa kümmern.

Beste Reisezeit

Oktober bis März

Gesundheit

Für den Besuch der feuchtheißen Tihamat-Ebene am Roten Meer wird eine Malariaprophylaxe empfohlen.

Landessitten

Frauen müssen sich schwarz verhüllen. Das gilt auch für westliche Touristinnen, die schon bei der Ankunft auf dem Flughafen ein schwarzes Überkleid und ein schwarzes Kopftuch anlegen müssen. Frauen über 40 können alleine reisen, Frauen unter 40 Jahren dürfen nur in Begleitung ihres Ehemanns oder eines männlichen Verwandten Saudi-Arabien besuchen - selbst wenn es sich um eine Gruppenreise handelt. Im Hotel dürfen unverheiratete Paare kein Doppelzimmer belegen!

Frauen in Saudi-Arabien
Frauen müssen sich in der Öffentlichkeit komplett schwarz verhüllen

Infrastruktur

Saudi-Arabien verfügt über modernste Kommunikationstechnologie, ein hervorragendes Straßennetz, eine sehr gute Hotellerie und ein gut ausgebautes Gesundheitswesen.

Geld

Währung ist der Saudi-Rial